Junge Kunst am Start

von JungArt (user)

Bis vor wenigen Jahren wurden Künstler nach ihrem Studium weitgehend im „Regen“ stehen gelassen, wenn es darum ging im Ausstellungswesen Fuß zu fassen. Im Prinzip musste man entweder über jene berühmte „reiche Oma“ verfügen oder einfach Glück haben um erste Chancen für Ausstellungen zu erhalten. Entsprechend oft hat es nicht die „beste“ Kunst bis in die heiligen Hallen der Kunst geschafft, sondern jene die über das ausreichende Maß an Vitamin B verfügte. Heute hat sich die Situation stark verändert.

 Heute hat sich die Situation stark verändert. Die Hochschulen bieten Workshops und Seminare zu Themen wie „Wie bewerbe ich mich bei einer Galerie?“ oder „Was ist die Künstlersozialkasse?“. Öffentliche Verbände wie der Bund Bildender Künstler bieten ähnliches an. Die größte Veränderung hat natürlich das World Wide Web bewirkt. Heute kann sich im Prinzip jeder der über Zugang zum Netz verfügt, weltweit die für ihn wichtigen Informationen holen. Sich seine eigenen Netzwerke zu bilden und sich mit Gleichgesinnten zusammen zu tun ist so viel einfacher geworden.

Auf der anderen Seite hat sich die öffentliche Rezeption von Kunst und das Ausstellungswesen überhaupt noch viel mehr verändert. Vor den Museen bilden sich lange Besucherschlangen und Galerien schießen wie Pilze aus dem Boden. Fast in jeder größeren Stadt gibt es Kunstmessen, und Biennale reiht sich an Biennale. Man sollte meinen, dass dadurch jeder Künstler seine Chance bekommen könnte. Aber leider ist dem nicht so. Allzu oft sieht man immer wieder dieselben Namen und Positionen, die immergleichen Kunststars und Publikumsmagneten. Mit dem einher geht eine Verflachung des Angebots bis hin zum einem Mainstream. Oft lassen sich Kunstwerke in Großausstellungen voneinander nicht wirklich unterscheiden, oder sie erschließen sich nur durch aufwendige Recherchen nach den Konzepten der Künstler. Zum Glück gibt es aber dann immer wieder wirklich einprägsame und großartige Ausstellungen und Kunstwerke, die etwas zu erzählen haben und neue Erkenntnisse vermitteln oder sogar zu einer Erweiterung des Bewusstseins beitragen.

Die Kunstszene in Berlin ist momentan vergleichsweise stark der jungen Kunst zugetan. Teilweise werden in den Galerien für Hochschulabsolventen Preise aufgerufen und gezahlt, die bis vor kurzen undenkbar waren. Man wird sehen wie sich das entwickelt, denn in New York beispielsweise wendet sich die Szene inzwischen schon wieder den arrivierten Positionen zu. Es wird wohl dabei bleiben: Das einzig beständige ist der Wandel.

Henry Lucien, Berlin

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